|
Erfolgreiches Legasthenietraining mit Erwachsenen aus dem Buch: Legasthenie im Erwachsenenalter August 2003
Es ist heute wohl hinlänglich bekannt, dass sich eine Legasthenie nicht auswächst, so wie man es einst gedacht hat. Der legasthene Mensch bleibt also ein Leben lang legasthen. Für die Betroffenen ist natürlich entscheidend, welche spezielle Hilfe sie in der Kinder- und Jugendzeit bekommen. Je wirksamer die Hilfe, desto schneller und leichter kann der legasthene Mensch sich auch mit Buchstaben oder Zahlen zurechtfinden. Die Anzeichen für eine Legasthenie oder Dyskalkulie werden aber auch heute noch nicht immer erkannt und es wird lange Zeit nichts für die Verbesserung des Zustandes des betroffenen Menschen getan, bis er schließlich erwachsen ist. So zeigt es sich immer wieder, dass es auch im Erwachsenenalter eine stattliche Anzahl von Menschen gibt, die zwar trotz ihrer Legasthenie irgendwie die Schule gemeistert haben, doch mit ihrem Zustand, der sich in einem beispielweise viel zu langsamen Lesen oder fehlerhaften Schreiben oder auch im schlechten Umgang mit der Mathematik darstellt, absolut nicht zufrieden sind. Viele dieser Leute haben bis dato keine Ahnung, welche Problematik sie dazu bringt, mit den Kulturtechniken auf Kriegsfuß zu stehen. Viele fühlen sich einfach dumm und leiden insgeheim schwer darunter. Man erlebt auch immer wieder, dass Menschen, die in ihrem Beruf tolle Leistungen erbringen, im Schreib-, Lese- und/oder Rechenbereich nicht entsprechen, an sich zweifeln und davon ausgehen, dass sie einfach doch nicht so gescheit sind, wie andere Menschen, die diese Techniken beherrschen. Aufklärung verhilft diesen Menschen nicht selten zu einem völlig neuen Lebensgefühl. Entscheidend ist deshalb die Tatsache, dass man auch legasthenen Menschen, die bereits erwachsen sind, noch gezielt helfen kann, diese Problematik in den Griff zu bekommen. Es ist natürlich mit wesentlich mehr Aufwand verbunden, als dies beispielsweise mit einem Volksschüler der Fall ist. Verschiedene Voraussetzungen sind aber dafür notwendig. Nur wenn alle strikt eingehalten werden, ist der Erfolg vorprogrammiert. Der erste Faktor: Der ehrliche Wille des Betroffenen, eine Verbesserung zu erreichen. Es nützt leider wenig,
wenn nur der Lebenspartner die treibende Kraft ist und mit der Tatsache,
dass es beispielsweise immer wieder zu Schwierigkeiten kommt, wenn ein
Formular ausgefüllt werden muss, nicht leben kann. Die Hauptperson ist
der Betroffene. Er muss einen Leidensdruck verspüren, damit er die Motivation
für die weitreichende aufwendige Arbeit bei einem Legasthenietraining
bekommt. Es gibt Der zweite Faktor: Das Bewusstsein, dass sich die Erfolge nicht über Nacht einstellen. Auch über diesen Punkt muss der Legasthenietrainer mit dem Betroffenen ausgiebig sprechen. Man muss klar darstellen, dass die Verbesserungen nicht ständig vorwärts schreiten, dass es manchmal auch zu einfach nicht erklärlichen Rückschritten kommt. In diesen Phasen ist dann auch ein Durchhaltevermögen gefragt. Das aber schließlich, nach viel Geduld und Ausdauer, doch belohnt wird. Denn eines ist dem Betroffenen klar darzustellen, dass es auch noch bei Erwachsenen zu unglaublichen Verbesserungen kommen kann, wenn der Einsatz stimmt. Der dritte Faktor: Der richtige Trainingsansatz für erwachsene legasthene Menschen. Es hat sich in der Praxis
gezeigt und es ist auch wissenschaftlich fundiert, dass ein Sinneswahrnehmungstraining
bei Menschen ab ca. dem 16.-18. Lebensjahr keine Wirkungen mehr für die
Verbesserung der Schreib-, Lese- oder/und Rechenleistungen hat. Auf diese
Tatsache ist beim Training natürlich Rücksicht zu nehmen. Wie auch bei legasthenen
Kindern, ist das Bewusstsein zu gewährleisten, dass man, wenn man schreibt,
liest oder rechnet, unbedingt mit den Gedanken dabei sein muss. Dies ist
der Grundstein für eine erfolgreiche Arbeit. Weitere Verbesserungen
im Symptombereich können aber nur durch weitere spezielle und individuelle
Arbeitsschritte erreicht werden. (c)
2003 KLL-Verlag
- Home
- Office@Legasthenie.com |